Wer nach Ägypten reist, lernt das Land auch über das Essen kennen. Wer mit Orientoura unterwegs ist, bekommt es, je nach Reiseprogramm, meist nicht im Hotel serviert, sondern bei einer Familie, in einem kleinen Lokal am Straßenrand oder direkt vom Boot aus.

Was wird in Ägypten gegessen?
Auf dem Tisch stehen vor allem Fladenbrot, dicke Bohnen (Fava-Bohnen), Linsen und Reis. Das Fladenbrot, Eish Baladi genannt, hat eine Geschichte von fast 5.800 Jahren und gehört zu praktisch jeder Mahlzeit dazu. Beim Würzen führt Kreuzkümmel, dem schon im alten Ägypten eine besondere Rolle zukam, dazu kommen Koriander und Kardamom. Getrunken wird vor allem Tee, stark und gesüßt.

Ein Tag, drei Mahlzeiten
Frühstück
Gefrühstückt wird traditionell üppig und warm: Ful, die mit Öl und Zitrone zerstampften dicken Bohnen, dazu Ta’meya, Ei, Käse und Fladenbrot, das auf dem Herd oder direkt über dem Feuer aufgewärmt wird.
Mit der britischen Kolonialzeit (1882 bis 1956) hat das nichts zu tun. Das Fladenbrot selbst lässt sich in ägyptischen Gräbern bis in die Zeit der Pyramiden zurückverfolgen: Im Grab des Raemkai in Sakkara, mehr als 4.400 Jahre alt, ist in Stein gemeißelt zu sehen, wie Getreide gemahlen und der Teig über dem offenen Feuer gebacken wird. Bei den dicken Bohnen ist die Geschichte weniger eindeutig. Manche Quellen vermuten sogar, dass sie in pharaonischer Zeit eher gemieden wurden, und Ful Medames in seiner heutigen Form setzte sich erst viel später durch. Fest steht: Warmes Fladenbrot zum Tagesbeginn ist in Ägypten um ein Vielfaches älter als jede Kolonialzeit.
Mittagessen
Die Hauptmahlzeit liegt mittags, nicht abends.
Eine Mahlzeit ist selten in zehn Minuten erledigt. Mehrere Gerichte kommen gleichzeitig auf den Tisch, das Brot wird geteilt, und man bleibt sitzen. Wer zu Besuch kommt, bekommt etwas angeboten, und sei es nur Tee und etwas Obst. Das gehört einfach dazu, unabhängig vom Anlass.
Dazu passt ein bekanntes Sprichwort: لقمة هنية تكفي مية, gesprochen „lo’ma hanaya tikfi maya“, auf Deutsch etwa „ein Bissen mit gutem Herzen reicht für hundert“. Es geht dabei nicht um die Menge, sondern darum, dass geteiltes Essen mit Freude weit reicht.
Abendessen
Am Abend wird oft leichter gegessen, zum Beispiel Joghurt, etwas Gemüse oder Reste vom Mittagessen, außer zu besonderen Anlässen. In Kairo füllen sich Restaurants deshalb häufig erst gegen 22 Uhr, im Sommer manchmal noch später.
Ramadan
Während des Ramadan verschiebt sich der ganze Tag. Tagsüber wird in der Öffentlichkeit zurückhaltend gegessen, getrunken und geraucht. Das Fastenbrechen am Abend ist dafür der festlichste Moment des Tages, und zwar jeden Abend: mit Süßspeisen wie Kunafa und Katayef, die fast nur in diesem Monat auf den Tisch kommen. Wann der Ramadan in den nächsten Jahren beginnt und was das für eine Reise bedeutet, steht in unserem Artikel zur besten Reisezeit.
Dabei isst Ägypten nicht überall gleich. Das Essen in Marsa Matrouh unterscheidet sich von dem auf dem Sinai, in Nubien, im Norden oder im Süden, in der Stadt oder auf dem Land. Wer das hautnah erleben möchte, kann zum Beispiel einen Tag auf einem Bauernhof in Luxor verbringen und dort kochen und essen, wie es Familien seit Generationen tun.
Die 5 wichtigsten Gerichte
1. Koshari
Reis, Linsen, Makkaroni und Kichererbsen, dazu Tomatensoße und knusprig geröstete Zwiebeln, dazu meist eine Knoblauchsauce und auf Wunsch eine scharfe Chilisauce. Gilt als Nationalgericht und wurde 2025 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Gibt es an jeder Straßenecke.
2. Batates bel Lahma
Ein Auflauf aus dünn geschnittenen Kartoffeln und Fleisch, geschichtet in Tomatensoße und im Ofen gebacken. Ein klassisches Familiengericht, oft zu besonderen Anlässen oder wenn Freunde zu Besuch kommen.
3. Molokhia
Eine dickflüssige grüne Suppe aus Malvenblättern, meist mit Hähnchen oder Kaninchen. Mehr dazu im Artikel „Molokhia: Die grüne Suppe, die ein Kalif verbieten ließ“.


4. Ta’meya
Die ägyptische Verwandte des Falafel, aus dicken Bohnen statt Kichererbsen, außen knusprig, innen leuchtend grün. Meist zum Frühstück.
5. Mahshi
Gemüse, mit Kräuterreis gefüllt und langsam in Tomatensoße gegart. Ein Gericht, für das sich eine ganze Familie in der Küche zusammenfindet.

